Homöopathie in der anthroposophischen Medizin

Samuel Hahnemann lebte von 1755 bis 1843 während der Epoche der Deutschen Klassik. Dieser Zeitraum, der von 1786 bis zum Tode Goethes 1832 gerechnet wird, war eine Hoch-Zeit der Deutschen Kultur mit Ihren Musikern, Dichtern, Philosophen und Ärzten.

 

Friedrich Schiller, von vielen als Dichter geschätzt, studierte von 1775 bis 1780 Medizin an der Hohen Karlschule in Stuttgart, die 1781 in der Rang einer Universität erhoben wurde. Schiller schrieb 1779 seine medizinische Dissertation "Philosophie der Physiologie", die von seinen Professoren wegen Besserwisserei abgelehnt wurde, obwohl sie seine fachlichen Leistungen anerkannten. Er musste ein weiteres Jahr studieren und schrieb eine zweite Dissertation "Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen", die 1780 in Stuttgart gedruckt wurde. Aus seinem Werk ist außerdem die Arbeit "Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen" hervorzuheben. Vor allem in diesen drei Schriften erarbeitete er die Grundlagen für die später von Rudolf Steiner im Medizinischen ausgeführte Dreigliederung des Menschen sowie die Dreigliederung des Sozialen Organismus: Indem er den Spieltrieb (Rhythmisches System) als das Ausgleichende zwischen den beiden festen Polen Formtrieb (Nerven-Sinnes-System) und Stofftrieb (Stoffwechsel-System) entdeckte und ausführlich beschrieb.

 

Samuel Hahnemann war Arzt, medizinischer Schriftsteller und Übersetzer. Er beherrschte die arabische, hebräische, griechische, lateinische, französische und englische Sprache in Wort und Schrift. Er zog durch die Lande und tat unumwunden seine Meinung kund und rebellierte auf diese Weise gegen die misslichen Zustände der Medizin. Wissenshungrig erprobte Hahnemann im Laufe der Zeit mehr als 100 verschiedene Drogen und Arzneimittel zuerst an sich sich, später auch an seiner Frau, an den 11 Kindern und an Freunden, ehe er die geprüften Arzneien zur Behandlung seiner Patienten einsetzte.

 

1796 erschien von ihm ein Aufsatz unter dem Titel "Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen nebst einigen Blicken auf die bisherigen". 1805 veröffentlichte er die Ergebnisse geprüfter Arzneimittel, 1810 das Organon der Heilkunst. Hahnemann entdeckte, dass kleinste Arzneigaben oftmals eine viel stärkere Wirkung besaßen als große. Aus diesen Beobachtungen und Erfahrungen entwickelte er das Prinzip der potenzierten, durch Verschüttelung wirksamen Heilmittel. Er erkannte in der Potenzierung der Medikamente eine Methode zur Anhebung ihrer Wirkung. Denn das Verfahren erschließt Möglichkeiten, dem erkrankten Organismus nur solche Heilmittel zu geben, die seinen Gesundungsprozess nicht stören.

 

Hahnemann rief mit seinen Arbeiten viele Gegner auf den Plan. Die Vertreter der Allopathie, einem von ihm geprägten Begriff, der heute synonym für Schulmedizin, speziell die Chemische Medizin verwendet wird, erklärten, dass als Folge der Arzneimitteleinnahme bestimmte Nebenwirkungen normal seien und in Kauf genommen werden müssten. Das Unverständnis für die Homöopathie dauert bis heute an. Hier gilt möglicherweise, was der große Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg sagte: Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es hohl klingt, muss es nicht unbedingt an dem Buch liegen.

 

"Das große Verdienst Hahnemanns ist es u. a., die Ansicht von den geistigen Eigenschaften der Materie im materialistischen 19. Jahrhundert aufrechterhalten zu haben", so Rudolf Steiner, der von dem homöopathischen Potenzieren Hahnemanns sagte, dass es "eine Art Neuaufstieg darstellt aus dem gesamten menschlichen medizinischen Streben heraus". Steiner erweiterte das Simileprinzip (Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden; besagt, dass die niedrigdosierte Substanz zur Heilung einzusetzen ist, die bei höherer Dosierung Symptome hervorzurufen vermag, die bei der zu behandelnden Erkrankung auftreten) dahingehend, dass "dasjenige, was in großen Mengen im unteren Menschen krankmachend wirkt, das wirkt in kleinen Mengen, wenn man es zur Wirkung bringt vom oberen Menschen aus, gesundmachend und umgekehrt". Zudem weist Rudolf Steiner darauf hin, dass der menschliche Körper selbst Homöopathisierungsprozesse im Inneren vollzieht: "Auch ein allopathisches Heilmittel macht im Organismus einen Homöopathisie-rungsprozess durch. Dies bedeutet jedoch für den Körper eine zusätzliche Belastung".

 

Empfehlenswerte Literatur

 

Die Reise einer Krankheit: Homöopatisches Konzept von Heilung und Unterdrückung, von Mohinder Jus, Verlag Homösana bzw. Narayana.

 

Homöopathie - Naturheilverfahren - Anthroposophische Medizin, von Markus Wiesenauer und Volker Fintelmann, Verlag Johannes M. Mayer Stuttgart.